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    Quergedacht: Die Steuerzahler als Financiers der Kultur

    Das PODIUM Festival hat mich gebeten, zu der Frage Stellung zu nehmen, ob aus Sicht des Bundes der Steuerzahler Kultursubventionen legitimierbar sind. Die Antwort lautet: Grundsätzlich ja. Im Beitrag „Welchen Wert hat Kultur“ wurde bereits dargelegt, dass Kultur positive Effekte auf die Entwicklung der Gesellschaft ausübt und daher eine Bezuschussung begründet sein kann. Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite müssen alle Subventionen, also auch die für die Kultur, vor dem Hintergrund der Staatsverschuldung beurteilt werden.

    von Eike Möller [Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg e.V.]

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    Deutschland hat eine Gesamtverschuldung von über zwei Billionen Euro angehäuft. Diese Schulden müssen abgetragen werden. Würden wir heute anfangen, in jedem Monat eine Milliarde Euro dieser Schulden zu tilgen - was völlig unrealistisch ist - würde es 166 Jahre dauern, bis wir schuldenfrei wären. Die Lage ist also durchaus ernst, und sie ist Ergebnis einer Politik zu Lasten Dritter - nämlich der zukünftigen Generationen.

    Die Zuschüsse für Kultur fallen nicht vom Himmel, sie müssen bereitgestellt werden. Überspitzt formuliert ziehen wir zurzeit zukünftige Generationen zur Finanzierung unseres Kulturgenusses und anderer Aufgaben heran. Das geht auf Dauer nicht gut. In Zeiten, in denen der öffentliche Schuldenberg wächst - und das ist über alle Gebietskörperschaften hinweg noch immer der Fall - muss jeder Euro, den die öffentliche Hand verausgabt, auf den Prüfstand, auch der für die Kultur.

    Welches Ausmaß die Bezuschussung der Kultur hat, lässt sich gut am Beispiel Theater festmachen. In der Spielzeit 2008/2009 wurden in Baden-Württemberg 45 Theater durch die Steuerzahler unterstützt. Der Zuschuss belief sich insgesamt auf 265,7 Millionen Euro. Im Schnitt wurde jeder Theaterbesuch in Baden-Württemberg von den Steuerzahlern mit 88,60 Euro bezuschusst. Übrigens hat das Land Baden-Württemberg Schulden in Höhe von rund 46 Milliarden Euro, auch die meisten Kommunen im Land ächzen unter einer Schuldenlast.

    Leider haben wir den Eindruck, dass die Notwendigkeiten, die sich aus der Schuldenpolitik ergeben, nicht immer eingesehen werden. So hat sich der Zuschussbedarf der Theater in Baden-Württemberg erhöht. In der Spielzeit 2007/2008 waren es noch 83,55 Euro pro Theaterbesuch, ein Jahr zuvor 81 Euro.

    Die Schuldenpolitik muss beendet werden. Tun wir es nicht, können wir am Beispiel Griechenland beobachten, was uns droht. Ohne Kürzung von Staatsausgaben wird ein Schuldenstopp nicht möglich sein. An welchen Stellen Ausgaben eingespart werden, muss der politische Diskurs ergeben. Ich meine aber, die Kultur wird auch einen Beitrag leisten müssen.

     

    Moller_klein

    Eike Möller ist Mitglied im Vorstand des Bundes der Steuerzahler Baden-Württemberg e.V., Diplom-Volkswirt und 40 Jahre alt.

     

    • 10 October 2011
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    7 months ago Steven Walter responded:
    Steven Walter
    Dass auch der Staat nicht einfach massiv Geld ausgeben kann, das er nicht hat, liegt auf der Hand. Und sicherlich müssen aus Sicht der Steuerzahler auch die Kulturausgaben auf dem Prüfstand. Die Frage ist aber doch eigentlich, ob nun Kunst- und Kulturschaffen einfach ein netter Wohlstandsbonus ist, ein gesellschaftliches "nice-to-have" - oder doch vielleicht viel wesentlicher für die Menschen und das Miteinander ist bzw sein könnte? Ich gebe Ihnen absolut Recht, dass der ständig steigende Finanzbedarf der etablierten Theater-, Orchester- und Opernlandschaft demokratisch kaum haltbar ist. Und über die dekadenten Exzesse, die da teilweise geboten werden, lässt sich auch inhaltlich streiten. Aber das, was die Kunst in der Breite macht, in den tausenden Projekten derer, die ihr Leben der Kunst widmen - das ist unschätzbar wertvoll für die Gesellschaft. Und die Ermöglichung dieser (richtig verstandenen) künstlerischen Arbeit ist nicht viel weniger wichtig für den Staat als die "Pflichtaufgaben"...
    7 months ago Peter responded:
    Meine Antwort auf diesen Artikel ist als neuer Blogbeitrag veröffentlicht worden. Danke an podium.lab! http://podiumlab.posterous.com/75135947
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